Carolin Oberndorfer, unsere Ergotherapeutin in Amberg, hat viel mit Stroke-Patienten zu tun. Daher weiß sie ganz genau, wo deren Schwierigkeiten im Bewältigen alltäglicher Abläufe liegen. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, wie beispielsweise das Schmieren eines Nutellabrotes, das sie einfach nicht alleine schaffen. Dabei bedeutet es so viel Freiheit, sich genau dann ein Nutella-Brot schmieren zu können, wenn man Lust darauf hat. Wer halbseitig gelähmt ist, hat aber häufig nur eine Hand, mit der er das Messer halten und führen kann. Die zweite Hand, um das Brot während des Streichens festzuhalten, versagt ihre Funktion. Das Brot rutscht beim Streichen immer wieder weg. Was nun?
Hilfsmittel beim Essen und in der Küche
Hierfür gibt es ganz tolle Hilfsmittel, die man fertig kaufen kann. Vieles lässt sich aber auch wunderbar improvisieren oder selbst herstellen. Im Falle des Nutella-Brots ist die Lösung das sogenannte Einhand-Brett, das es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Entweder hat es eine geriffelte Oberfläche oder Spieße wie eine Art Gabel. “Damit ist es den Patienten möglich, sich selbst endlich wieder ein Nutella-Brot zu schmieren, eine Banane zu schälen oder Lebensmittel wie Brot, Karotten oder Salat zu schneiden“, erzählt Carolin. Ferner gibt es spezielle Porzellanteller, auf denen sich Erhöhungen befinden. Zwischen diesen können Lebensmittel wie Toastscheiben eingeklemmt werden. Außerdem erleichtern sie das Essen. Denn einhändig mit dem Messer Essen auf eine Gabel oder einen Löffel zu schieben, ist bei einer Lähmung auch ein Problem. Der Teller ermöglicht es, das Essen einfach in Richtung Erhöhung zu bewegen und auf diese Weise unter Einsatz der weniger betroffenen einen Hand auf dem Löffel aufzuladen.
Alltägliche Abläufe werden zum Problem
Nicht nur die Nahrungsaufnahme oder -zubereitung stellt Schlaganfallpatienten vor Herausforderungen, es sind auch die alltäglichen Abläufe, wie sich eine Hose anzuziehen, die einen Knopf hat, eine Strickjacke mit Reißverschluss zu schließen oder - echt eine schwierige Angelegenheit - die Zahnpasta aus der Tube auf die Bürste bringen. Hier versucht es Carolin mit ihren Patienten in verschiedenen Varianten, je nachdem, womit sie sich leichter tun. Eine Möglichkeit ist, etwas Zahnpasta auf den Rand des Waschbeckens zu drücken und die Zahnpasta von dort mit der Zahnbürste aufzunehmen. Eine weitere Option ist, mit dem Handgelenk oder dem Unterarm der gelähmten Hand auf die Zahnpastatube zu drücken und die Zahnbürste mit der gesunden Hand vor die Öffnung zu halten.
Praktische Lösungen für den Alltag finden
„Die Ergotherapie versucht grundsätzlich, die Patienten so weit wie möglich zurück in einen selbstständigen Alltag zu bringen und hierfür Lösungen zu erarbeiten. Das hat oberste Priorität. Deshalb schulen wir gezielt diese Abläufe“, erzählt Carolin und benennt ein weiteres Problem, das oftmals nach Schlaganfällen auftritt: Durch die mangelnde Wahrnehmung in zwei Bereichen (taktil = oberflächlich und propriozeptiv = tiefensensibel) ist es den Patienten in vielen Fällen nicht mehr möglich, kleinere Gegenstände koordiniert anzusteuern, aufzunehmen, zu führen und mit dem richtigen Maß an Kraft bzw. Druck zu bedienen. „Die Situation ist vergleichbar mit kleinen Kindern. Sie greifen beispielsweise einen Stift auch zunächst ziemlich unkoordiniert mit der Faust und können dann immer präziser agieren, bis sie den Stift mit drei Fingern halten und damit malen können. Daher üben die Kleinen das Malen anfangs erstmals mit ganz dicken Stiften. So ist das auch bei Stroke-Patienten. Gegenstände, mit denen sie im Alltag hantieren müssen, wie Besteck, Stifte, Zahnbürste oder Haarbürste können mit einer Griffverdickung (z.B. Rohrisolierungen aus dem Baumarkt) verstärkt werden. Dann brauchen die Menschen nicht so viel Kraft, um die Gegenstände zu halten. “Die Rohrisolierung ist ein Tool, das man im Hausbesuch als schnelle, einfache Lösung verwenden kann, all diese Hilfsmittel gibt es natürlich auch fertig von Heilmittelherstellern zu kaufen.”
Oft ist die Beweglichkeit des Arms gestört
Nach einem Schlaganfall ist oft nicht nur die Greiffähigkeit, sondern auch die gesamte Armbeweglichkeit gestört. Das bedeutet, dass sich die Menschen nicht nur schwer tun, ihre Haarbürste zu halten, sondern oft wegen Bewegungseinschränkungen die Bürste nicht einmal bis zu den Haaren führen können. Auch hierfür gibt es spezielle Haarbürsten mit einem extra langen Stil zu verkaufen oder man verlängert sie selbst, beispielsweise mit einem Kochlöffel und Klebeband.
Bilaterales Training mit dem Nudelholz
„In der Therapie versuche ich, mit bilateralem Training den Arm wieder in die Bewegung zu bringen”, so Carolin. Hierfür gebe es im Hausbesuch sehr viele nützliche Utensilien, denn es gehe darum, Bewegungen parallel auszuführen. Dadurch lerne das Gehirn und darüber die gelähmte Seite. Ein perfektes Tool dafür sei beispielsweise ein Nudelholz. Das könne mit dem gesunden und mit dem gelähmten Arm gleichzeitig nach vorne und nach hinten geführt werden. Beide Arme üben eine identische Bewegung aus, wodurch die gesunde Seite die gelähmte Seite unterstützen kann. “Das passiert in diesem Fall nicht nur passiv, wie ich als Ergotherapeutin unterstützen könnte, sondern aktiv. Ich rate meinen Patienten, diese Übungen auch zu Hause außerhalb der Trainingszeiten täglich durchzuführen, um möglichst schnell Fortschritte zu erzielen.”.
Schäden im Gehirn können kompensiert werden
Die gelähmte Seite lernt also durch die gesunde Seite. Denn das Gehirn ist durch die sogenannte neuronale Plastizität in der Lage, Schäden zu kompensieren. Abgestorbene Gehirnzellen wachsen nicht nach, doch die Nachbarzellen sind in der Lage, deren Funktionen mit zu übernehmen. Viele Ergotherapeuten arbeiten in diesem Bereich zusätzlich mit der sogenannten Spiegel-Therapie. Hierfür steht oder sitzt ein Patient vor einem Spiegel. In diesem ist die gelähmte Seite verdeckt und nur die gesunde Seite sichtbar. Sie spiegelt sich im Spiegel, so dass der Körper vermeintlich als ganzer zu sehen ist. Nun führen die Patienten ihre Übungen aus. Dabei sehen sie - und suggerieren das ihrem Gehirn- wie sie gleichzeitig beide Arme bewegen. Das löst dann oftmals den Impuls aus, dass die verloren gegangenen Funktionen auch auf der betroffenen Seite langsam zurückkommen.
Hausbesuch für Schlaganfallpatienten optimal
Wer gelähmt ist, tut sich schwer in eine Ergotherapiepraxis zu kommen. Er ist auch hier häufig auf externe Hilfe angewiesen. Daher bietet sich insbesondere für Schlaganfall-Patienten die Behandlung im Hausbesuch an. Bei Bunz mobile Ergotherapie können Sie zeitnah und sehr flexibel für sich selbst oder Angehörige Termine vereinbaren.